Monatliches Archiv: Mai 2013

Ein paar Bilder von unserem Urlaub

Urlaub

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Kann ich überhaupt eine gute Mutter sein?

Über Pfingsten war ich mit meiner Mutter und mit meinen ältesten Neffen (3,5 und 5,5) eine Woche auf einem Bauernhof im Urlaub.

Für den Kleinen war es der erste Urlaub ohne Eltern, der Große hatte letztes Jahr schon sein Debüt mit den anderen Großeltern. Beide kennen mich und meine Mutter natürlich ziemlich gut, sie wohnen ca 10 Minuten von uns jeweils entfernt.

Während dieser Woche habe ich ein paar Dinge an mir festgestellt, die mich zweifeln lassen, ob ich überhaupt eine gute Mutter sein würde. Also eine, die auch Spaß mit und an den Kindern hat, die geduldig stundenlang mit ihnen spielt, ihnen einfühlsam neue Situationen erklärt und ihnen die Angst nimmt…

Ein paar Beispiele:

1) Der Große wollte zum Trampolin gehen. Das stand in einer offenen Scheune einen Eingang weiter. Der Hof war sehr ruhig gelegen, aber dennoch nicht völlig umzäunt. Ich habe ihm das erlaubt. Er durfte also alleine hingehen. Natürlich habe ich nach ca 1/2 Stunde mal nach ihm geschaut und er war auch schon vorher ein paar mal auf diesem Trampolin und kannte den Weg, aber meine Schwägerin (die Mutter) meinte letztens, sie würde den Großen zuhause noch nicht mal alleine im Garten spielen lassen aus Angst, dass ihn jemand mitnimmt. –> Hätte ich besser aufpassen müssen? Habe ich fahrlässig gehandelt? Er war so ein paarmal alleine unterwegs (im Garten oder der Scheune) und er ist noch nichtmal irgendwie hingefallen.

2) Der Kleine wollte auch nach draußen. Er hat Schuhe mit Klettverschlüssen. Ich bin der Meinung, dass sich ein 3,5 jähriger alleine  diese Schuhe anziehen kann (was er in den vorigen Tagen auch öfter gemacht hat und im Kindergarten sowieso). Er wollte/konnte es nicht und hat rumgemeckert. Anstatt ihm zu helfen, habe ich ihn zappeln lassen. Nach einiger Zeit bin ich hingegangen und habe ihm erklärt wie es geht. Da hat er aber schon geheult. –> Hätte ich früher hingehen sollen oder ihm schnell helfen sollen?  

3) Am Tag vor der Abreise haben wir die meisten Schuhe und Sachen schon eingepackt und für die Kinder nur ein Paar Schuhe draußen gelassen. Der Kleine wollte jetzt aber unbedingt die Sandalen anziehen. Ich habe ihm erklärt, dass er jetzt entweder die Schuhe mit Klettverschluss anzieht oder eben drinbleiben muss. Da hat er einen Riesenaufstand gemacht, rumgeheult, sich auf den Boden geworfen und gebrüllt. Ich habe einen Moment gewartet, ihn dann nochmal auf die vorhandenen Schuhe hingewiesen und als er weitergebrüllt hat, habe ich ihn in Ruhe gelassen. Da hat er sich richtig in Rage gebrüllt. –> An dem Tag hatte er auch keinen Mittagsschlaf gemacht und war durch das Packen auch aufgeregt. Hätte ich ihm die Schuhe eben holen sollen? Hätte ich ihn trösten sollen, damit er sich garnicht so aufregt?

4) Ich mag kein Rumgenörgele… Ich habe für die Kinder jeden Abend einen Gemüseteller mit Tomaten, Gurken und/oder Paprika geschnippelt. Jeden Abend, wenn ich den Teller auf den Tisch gestellt habe, kam von dem Großen „Ich mag aber keine Tomaten“. Am vorletzten Tag habe ich ihn angepflaumt „Ich weiß dass du keine Tomaten magst, du musst ja auch keine essen.“ Dieses „Ich mag nicht“ kam oft von ihm „Ich mag keine Tortelinis“, „Ich mag keine Pferde“ und mein persönliches Highlight: auf jeder Toilette unterwegs „ich mag diese Papierhandtücher nicht“. Mein Kommentar irgendwann nur noch: „Du musst sie ja nicht benutzen!“ –> Bin ich zu ungeduldig? Will er nur überhaupt etwas sagen?

5) Spielen am Esstisch geht gar nicht. Kinder müssen keinesfalls ruhig am Tisch sitzen, still und leise essen und dann geduldig abwarten bis alle fertig sind. Nein, das meine ich nicht. Aber ich mag es nicht, wenn die Kinder mit dem Essen spielen oder nur so halb auf dem Stuhl sitzen oder Quatsch machen. Ein kleiner Witz, na klar, mache ich auch, aber dieses enorme Rumkaspern mag ich nicht. Die Starwars-Figur darf auch im Fisch-Imbiß auf dem Tisch sitzen, aber gespielt wird damit erst, wenn das Essen beendet ist. –> Erwarte ich zuviel? Es geht hier um jeweils höchstens 30 Minuten, kein 3-Gänge-Menü.

6) Wenn Oma unbedingt zum Leuchtturm laufen möchte, oder wir in der Innenstadt einen Vormittag bummeln gehen möchten, oder nicht zum dritten mal das eine Hörspiel sondern auch mal eine CD von uns hören wollen, oder wir mal in Ruhe einen Kaffee trinken wollen, dann müssen die Kinder dann eben da durch. Meiner Meinung nach müssen Kinder nicht immer 24h bespaßt werden, sondern auch mal warten, ruhig sein, nichts anfassen oder laufen –> Fiese Rabentante? Es war doch Kinder-Urlaub??

Bitte nicht falsch verstehen! Ich liebe diese beiden kleinen Monster. Ich habe mir den Urlaub selber gewünscht und habe ihn sehr genossen. Es war schön, morgens freudestrahlend von einem hellwachen 3,5jährigen mit einem Pixibuch in der Hand geweckt zu werden oder zusammen die Hühner zu füttern, die Häschen zu streicheln, im Schwimmbad zu rutschen, zu puzzeln und zu spielen. Ich fand es toll mit den beiden zu toben, Gokart zu fahren oder Seifenblasen zu machen.

Die Jungs waren die meiste Zeit über friedlich, fröhlich und haben durch den Garten dort getobt. Sie haben uns die meisten Nächte über durchschlafen lassen, sind ohne Probleme ins Bett gegangen. Da hätte ich mit viel mehr Streß gerechnet.

Nur zwischendurch war ich genervt. Weil ich vieles einfach nicht verstehe, weil ich nicht weiß, ob ich die Kinder überfordere, zu streng bin. Ich habe keinen jemals angebrüllt, festgehalten oder gar geschlagen, aber manchmal war der Ton etwas energischer. Wahrscheinlich geht das jedem so, aber ich fühlte mich jedesmal schlecht.

Geht es euch da draußen auch so? Meine Mutter meinte, ich gehe ganz toll mit den Kindern um, so geduldig und ruhig. So habe ich mich aber nicht immer gefühlt. Wie soll es denn dann erst mit eigenen Kindern sein, die man 24/7 um sich hat und für deren Erziehung man (zusammen mit dem Mann) alleine verantwortlich ist?

 

Ein bischen Gedankenchaos zum Wochenende…

 

 

Fazit 5 Jahre Kinderwunschzeit

Wenn ich dies hier schreibe, ist es Ende Mai 2013.

– Seit dem Beginn meiner Kinderwunschphase im Oktober 2007 sind in unserem engsten Bekannten- und Verwandtenkreis 13 Kinder geboren worden.

– 2 von diesen Kindern könnten meine eigenen sein, da sie dann geboren sind, wenn meine beiden Sternenkinder ungefähr Stichtag gehabt hätten

– mein jüngerer Bruder hat in dieser Zeit  3 Kinder bekommen

– ich habe bei jeder Bekanntgabe der Schwangerschaft geweint, heimlich, manchmal vor meinem Mann, manchmal alleine

– beide Elternpaare sind von Geschwistern zu Großeltern gemacht worden

– ich kann mir ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen.

– ich befürchte, dass unsere Beziehung eine Kinderwunschtherapie mit künstlicher Befruchtung und allen Hormonen, Spritzen, Wartezeiten und Ausgaben nicht überstehen würde

– im September 2013 endet mein befristeter Vertrag in der neuen Firma und ich bekomme wahrscheinlich einen Festvertrag. Dann würde ich gerne wieder aktiv an den Kinderwunsch gehen.

– ich weiß nicht wie

Die ersten Monate 2013

Anfang Januar 2013 wurde meine kleine Nichte geboren, es folgte Ende Januar die Tochter der Freundin.

Im Januar 2013 begann mein Mann eine neue Arbeitsstelle, nachdem er (und ca 50 weitere) im September 2012 entlassen wurden. Die neue Arbeit begann mit einer Messe, auf der mein Mann 2 Woche war. Ich nutzte die Zeit zuhause alleine, indem ich eine Wand in unserem Schlafzimmer mit einem komplizierten Flechtmuster bemalte.

Leider fanden meine Arme diese Arbeit wohl zu anstrengend (zumal ich ja auch noch im Büro normal weitergearbeitet hatte), sodass ich im März 2013 für ca 4 Wochen krankgeschrieben wurde – eine beidseitige Sehnenansatzreizung mit starken Schmerzen legte mich lahm. Ich konnte nichts mehr machen außer sitzen und fernsehgucken oder mich mit Freundinnen treffen. Lesen, Hausarbeit, Garten – alles war mit Schmerzen verbunden und daher untersagt. Eine schwierige Zeit für mich. Ich bin auch in normalen Zeiten nicht der geduldigste Mensch, aber das war wirklich hart für mich.

Ich nutzte die Zeit, indem ich Ende März 2013 mal wieder eine Kontrolluntersuchung beim Endokrinologikum machen ließ. Das Ergebnis war wie erwartet: Meine Hormonwerte sind jenseits von gut und böse, die Leberwerte ok (die kann bei der Einnahme von Metformin geschädigt werden), die anderen Werte des Blutbildes waren ok, ich habe nur zuwenig Vitamin D. Also bekam ich Vitamin D-Tabletten und durfte die Metformin-Dosis von 2×850 auf 3×850 erhöhen. Theoretisch auf jeden Fall. Die Erhöhung dauert bis zum heutigen Tag an, da mein Körper (und besonders mein Magen) das garnicht witzig findet)

Auf Empfehlung von meinem Arzt im Endokrinologikum ging ich zu einer Ernährungsberaterin. Diese empfahl mir eine Ernährung nach der Logi-Methode, um endlich ein paar Kilos abzunehmen. Alle vorherigen Versuche waren gescheitert. (ich habe dazu eine extra Seite angelegt)

Am 13.April 2013 bekam ich das erste Mal von alleine meine Tage. Ich hatte bisher ca 5 Kilo abgenommen.

Ich beschloss, meinen bisherigen Weg aufzuschreiben und in diesem Blog zu veröffentlichen. Bisher hatte ich in mehreren Blog mitgelesen, nun wollte ich selber aktiv werden. In einem Blog entdeckte ich die Aktion „101 Dinge in 1001 Tagen“ und erstellte ebenfalls eine Liste und veröffentlichte sie.

 

 

2012 – irgendwie muss es weitergehen

Das Jahr 2012 war für mich ein Jahr um wieder zur Ruhe zu kommen – irgendwie. Die Amitryptillin-Tabletten hatte ich relativ schnell wieder abgesetzt, da sie meine Gefühle zwar beruhigen, mich aber in der Persönlichkeit auch ruhigstellten.

Wir begannen als Paar wieder zueinander zu finden. Ich fühlte mich im Haus wieder „zuhause“, hatte nicht jedesmal wieder Angst, nach Hause zu kommen und meine gepackten Koffer zu finden mit der Bitte auszuziehen, oder zitterte bei jedem Telefonanruf, bei jeder Abwesenheit meines Mannes lief das Kopfkino.

Ich kämpfte dagegen an. Kämpfte für mich.

Im November 2011 hatte ich nach einem Streit endlich die Kraft mich von meinem zwar sicheren, aber absolut schlechtbezahlten und schlechtbehandelten Job zu lösen. Nach einer Diskussion in der mein Chef mein Gehalt kürzen wollte (ich sollte mir in Zukunft die Verantwortung für ein Projekt mit einer Kollegin teilen, würde also nicht mehr die alleinige Verantwortung tragen und daher würde ich auch keinen „Bonus“ mehr verdienen. (das ich dieser Kollegin komplett Excel, Word, Powerpoint und sonstiges vorher beibringen müsste, hat er mal glatt unter den Tisch fallen lassen)), die im Endeffekt in Tränen endete (der Geschäftsführer, der Prokurrist und der Abteilungsleiter saßen mir gegenüber und haben auf mich eingeredet („wir verstehen, dass sie das jetzt noch nicht als positiv sehen, aber wenn sie zuhause noch mal darüber nachdenken…“)) fuhr ich nach Hause und ließ mich krankschreiben.

Für die nächsten 4 Monate blieb ich zuhause – ich war einfach fertig, körperlich, nervlich und überhaupt.

Dazu kam immernoch das kümmern um meine Schwiegermutter. Ihr Zustand war jetzt „stabil“ was im Endeffekt bedeutete, dass er sich zwar nicht verschlechtern, aber eben auch nicht mehr bessern würde. Jeden Freitag waren wir mit „Babysitten“ dran damit mein Schwiegervater ein bischen Zeit für sich hatte, verbrachten wir den Freitag nachmittag und abend bei ihr.

Im März 2012 wurde der Sohn von seinem Bruder geboren und machte damit auch diese Seite zu Großeltern. (Meine Eltern waren ja schon 2007 mit der Geburt meines ersten Neffen zu Großeltern geworden)

Im März 2012 begann ich auch eine neue Arbeit. Nachdem ich den sicheren Job über 7 Jahre behalten hatte (eigentlich nur wegen des Festvertrages und der Kinderwunschbehandlung) musste ich jetzt wieder neu mit einem 18 monatigem Vertrag beginnen. Die Arbeit machte mir Spaß, ich wurde gefördert, gelobt und die Kollegen waren qualifiziert und engagiert.

Im April 2012 informierte mein Bruder uns, dass es „einen kleinen Unfall gegeben hätte“ und das Ende Dezember das dritte Kind kommen würde.

Im Mai 2012 setzte ich die Pille ab mit Absprache meines Mannes. Ich hatte mich schon seit längerem damit nicht mehr wohlgefühlt. Die Chance spontan schwanger zu werden lag zwar auch ohne Pille bei unter 0,1 %, aber es war mehr als ein absolutes 0% mit Pille. (ja ich weiß, auch die Pille ist nicht 100% sicher, aber in meiner Rechnung kam ich damit nicht mehr klar)

Es folgte eine kurze Abbruchblutung und danach nichts mehr. In dem Moment war ich noch so entspannt wie möglich. Der Kinderwunsch war zwar immer noch da, aber eben im Hintergrund. Erst kam die neue Arbeit, dann wenn ich irgendwann im September 2013 auch dort einen Festvertrag hätte würde ich wieder mit der Behandlung anfangen. Bis dahin hätte ich dann auch meinen Mann davon überzeugt…

Im Sommer 2012 wurde eine Freundin von mir schwanger. Sie erzählt es mir nicht direkt sondern ihr Mann erwähnte es meinem Mann gegenüber. Bisher hatte sie immer gegen Kinder gewettert, wollte nie welche, weil die Figur damit ja ruiniert würde und man dann ja komplett vom Mann abhängig würde. (im nachhinein erzählt sie mir dann irgendwann, das es 2 Jahre gedauert hätte und sie auch Probleme mit der Schilddrüse gehabt hätte) 

Im August 2012 löste ich nach Absprache mit meinem Frauenarzt einmal die Regel mit Chlormadinon 2mg über 10 Tage aus.

Ich informierte mich ein bischen über Homöopatische Mittel. Einige Male war ich auch bei einer Homöopathin, diese wollte aber erstmal meinen Körper von Grund auf neu reinigen und gab mit nach seltsamen Ausbalancieren einige Mittel, deren Wirkung ich nicht nachvollziehen könnte. Das war nichts für mich. Im Internet durchsuchte ich mehrere Foren, fand Ovaria Comp für mich sehr passend, genau wie Bryophyllum und nahm diese ein. Da ich auch mit Ovu-tests keinen Eisprung identifizieren konnte, blieb es meistens bei Ovaria Comp.

Im November kam es zu einem erneuten Streit zwischen meinem Mann und mir. Auf einem Konzert lieferte ich ihm eine Szene. Ich fühlte mich unbeachtet, ungeliebt war eifersüchtig auf die dritte (eine Freundin mit der sich mein Mann eben auch gut versteht war mit dabei) und der Abend endete damit,  dass wir das Konzert verliessen und nach Hause fuhren.

Ich war schon öfter eifersüchtig auf eben diese Freundin gewesen. Obwohl sowohl er als auch sie mir erzählten, dass dort nie etwas gelaufen wäre und laufen würde, knirschte ich teilweise mit den Zähnen vor Wut wenn er mit ihr telefonierte oder sich mit ihr traf. Egal ob ich dabei war oder nicht, ich war sauer.

Nun also der Streit im Konzert. Wir fuhren nach Hause und wussten nicht weiter, wiedereinmal.

Unsere Hausärztin schrieb uns eine Woche krank, wir suchten uns Hilfe bei einer Eheberatung. In den folgenden Wochen gingen wir ca. 1x pro Woche zu einer netten älteren Frau und ließen sie unser Verhalten vorhalten, reflektierten unsere Gefühle und ich fühlte mich endlich einmal verstanden und ernst genommen. Leider mussten wir diese Sitzungen selber zahlen. Mit 80€ pro Stunde könnten wir uns das nicht allzulange leisten, doch im Moment war es hilfreich und wichtig für uns.

So endete 2012. Keine Kinder, keine stabile und sichere Beziehung.

Meine Schwiegereltern und wir – neverending Story

Das Jahr 2011 ist im Endeffekt ein Horror-Jahr für mich und uns gewesen:

Meine Schwiegermutter hatte im Januar einen Schwächeanfall. Sie fiel im Badezimmer um, knallte auf den Badewannenrand. Trotz Operation, Reha-Maßnahmen und einem Krankenhausaufenthalt von über einem halben Jahr stand am Ende fest dass sie ab den Schultern querschnittsgelähmt bleiben würde. Sie kann die Arme ein bischen anheben und den Kopf drehen, das ist alles was von der bis dahin sportlichen Frau übrig blieb. Emotional ist sie völlig fertig, die Familie ebenfalls. Viel geredet wurde in der Familie noch nie, über Probleme schon garnicht. Daher wurde auch nie eine psychologische Beratung zu Hilfe genommen oder sich mal mit allen an den Tisch gesetzt um die nötigen Umbaumaßnahmen im Haus und das weitere Vorgehen zu planen.

Wir haben immer wieder Hilfe angeboten, entweder beim Umbau oder im Haushalt, aber es wurde nicht angenommen. Über ein halbes Jahr hinweg sind wir jedes Wochenende in die 1,5 h entfernte Klinik gefahren, haben uns dort durch die ca. 2 h Besuchszeit gequält und uns dann auf dem Heimweg vor lauter emotionaler Berg-und Talfahrt regelmäßig gestritten.

Die Beziehung von meinem Mann zu seinen Eltern war nie wirklich eng. Wir sind VORHER (es gab in den Erzählungen jetzt immer ein VORHER und ein NACHHER) mal zum Sonntagessen hingefahren, oder zum Geburtstag, Weihnachten, Ostern, aber richtige gemeinsame Unternehmungen waren sehr sehr selten. Sein Vater hat uns viel beim Umbau unseres Hauses geholfen und sie haben auch vieles davon bezahlt, aber sie sind uns nie richtig nahe gewesen.

Sein Vater möchte immer alles „Hauptsache fertig“ machen, mein Mann (wenn er denn schon mal was macht) dann „alles ganz genau“. Zudem ist mein Mann beim gemeinsamen Arbeiten immer nur „Azubi“ oder „Zuarbeiter“ aber nie als gleichwertig angesehen worden.

Ich bin vom Typ her meiner Schwiegermutter nicht sehr ähnlich. Sie liebt Deko und hat VORHER das ganze Haus mit viel Krams und jahreszeitlich passend geschmückt. (NACHHER musste das mein Schwiegervater unter ihrer Aufsicht machen) Ich dekoriere eher sparsam und lasse meine Deko das ganze Jahr hängen. Ich habe keine Osterdeko und außer einem Adventskranz keine Weihnachtsdeko. Irgendwie mag ich das bei mir nicht so. Ich gehe nicht gerne shoppen, lese auch manchmal einfach ein Buch obwohl der Garten gemacht werden müsste. Ich schaue nicht viel fernsehen und kann daher auch nichts zu DSDS oder GZSZ sagen.  Ich mag Katzen und deshalb haben wir jetzt 3 Stück, sie hat Angst vor Ihnen (das wusste ich vorher nicht) und lässt schon mal gehässige Bemerkungen über sie fallen („lasst sie doch einfach raus, dann werden sie plattgefahren und ihr habt eure Ruhe“ – Ich hatte über das morgendliche nach Futter betteln gewitzelt).

Sie ist eine richtige Hausfrau gewesen, mit Landfrauenclub, mit Tanzgruppe, die nie richtig gearbeitet hatte (mal ein paar halbe Tage), wegen der Kinder und weil sie es auch nicht brauchte. Bildung ist ihr nicht wichtig. Ich selber habe nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht und danach immer gearbeitet. Daher habe ich weniger Zeit für den Haushalt, erwarte von meinem Mann Mithilfe und kann keine Handarbeiten.

Der jüngere Bruder von meinem Mann hatte schon immer besseren Kontakt zu seinen Eltern. Er hat lange Zeit nach seinem Auszug dort noch seine Wäsche gewaschen (Korrektur: Waschen und bügeln lassen), ist mit Mutti einkaufen gewesen, hat mit ihr Schuhe und Kleidung ausgesucht, regelmäßig dort gegessen und war zufrieden, beim gemeinsamen Arbeiten den Hammer zuzureichen. Seine Mutter hat seine erste Wohnung im Prinzip eingerichtet. Er war ins Dorfgeschehen eingebunden, hat im Spielmannszug mitgemacht und bei den Dorfabenden ordentlich einen getrunken. Hatte er mal eine Freundin, verschwand er für diese Zeit und meldete sich meistens garnicht mehr. Danach kam er dann wieder zurück und brachte seine Wäsche vorbei.

Irgendwie war mein Mann immer „das schwarze Schaf“. Er hatte kein Interesse fürs Dorfleben, ist lieber mit älteren Freunden in Diskotheken gegangen, nach Hamburg, Flensburg, Kiel oder noch weiter. Gespräche mit seiner Mutter über das Dorfgeschehen fand er doof, Spielmannszug und Dorfabende sowieso. Sobald er ausgezogen war (und damit mit mir zusammengezogen), haben wir selber Wäsche gewaschen, selber Klamotten und Schuhe gekauft und die Wohnung nach unserem Geschmack eingerichtet.

Meine Schwiegereltern haben ab und zu angerufen um uns zu erinnern, dass der Rasen gemäht werden müsste (also unser Rasen!), das die Mülltonne rausgestellt werden muss, dass ich immer noch die Plastikweihnachtssterne am Fenster hätte usw.

Bitte nicht falsch verstehen: ich mochte (und mag) meine Schwiegereltern. Sie sind liebe und gute und nette Menschen, die immer nur das Beste für ihre Kinder wollten. Aber ich kann einfach persönlich nicht so viel mit ihnen anfangen. Wir waren nie mal im Zoo, Schifffahren, im Theater, Musical oder sonstiges wie mit meinen Eltern.

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Die Situation war also VORHER schon nicht einfach und innig und nun gab es ein NACHHER. Mein Schwiegervater hatte das Haus umgebaut, meine Schwiegermutter kam im August 2011 nach Hause und saß entweder im Rollstuhl oder lag im Bett.  Sie bekam Pflegestufe 3 und musste gefüttert, angezogen, gewaschen, gekämmt und gepflegt werden. Dazu war sie emotional einfach völig fertig, sie hat viel geweint, wollte dass wir sie einfach ins Wasser werfen, damit sie uns keine Last mehr ist usw. Ein Pflegedienst kam von nun an jeden Tag, Physiotherapeuten und Ärzte ebenfalls öfter im Monat.

Mein Schwiegervater war ab dann für den Haushalt zuständig, fürs Essen, waschen, saubermachen, den Garten, die Arztfahrten, die Beschaffung der benötigten Hilfsmittel. Die angebotene Hilfe von uns wollte er nicht.  

Für meinen Mann war damals die Welt auf den Kopf gestellt worden. Seine Eltern, die ihm immer wieder geholfen hatten, sei es finanziell oder beim Umbau, brauchten jetzt selber Hilfe, akzeptierten unsere Angebote aber nicht.

Es ist schwer zu beschreiben, wie es damals (und immer noch) für ihn gewesen ist. Auf jeden Fall trug der Unfall und die daraus resultierenden Umstände erheblich zu unserer Trennung im Mai 2011 bei. Er brauchte Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Ein Kind war für ihn undenkbar fern, zumal mein Schwiegervater selber auch nicht mehr der jüngste und fitteste ist und im Prinzip auch in der nächsten Zeit ausfallen könnte. Dann müssten er (und sein Bruder) mit der Pflege helfen und Verantwortung übernehmen. Es würde sehr viel Aufwand, Geld und Nerven kosten – und dann noch ein Kind?

Sein Bruder hatte nicht so viele Bedenken, Mitte des Jahres verkündete er die frohe Nachricht, dass seine Freundin schwanger wäre. Zu dem Zeitpunkt waren sie gerade einmal 6 Monate zusammen. Den Spruch „wir hätten ja garnicht gedacht, dass es so schnell klappt“ hätten sie sich sparen können.

Von unserem (meinem) Kinderwunsch und den Bemühungen wusste er Bescheid, zwar nicht in vollem Ausmaß, aber der feinfühligste war er noch nie.

Ich habe ziemlich viel geheult in diesem Jahr. Unter den Amitryptilin-Tabletten wurde ich zwar ruhiger, aber wirklich gut ging es mir glaube ich das ganze Jahr nicht. Insofern war ich froh, als das Jahr zuende ging.

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