Kann ich überhaupt eine gute Mutter sein?

Über Pfingsten war ich mit meiner Mutter und mit meinen ältesten Neffen (3,5 und 5,5) eine Woche auf einem Bauernhof im Urlaub.

Für den Kleinen war es der erste Urlaub ohne Eltern, der Große hatte letztes Jahr schon sein Debüt mit den anderen Großeltern. Beide kennen mich und meine Mutter natürlich ziemlich gut, sie wohnen ca 10 Minuten von uns jeweils entfernt.

Während dieser Woche habe ich ein paar Dinge an mir festgestellt, die mich zweifeln lassen, ob ich überhaupt eine gute Mutter sein würde. Also eine, die auch Spaß mit und an den Kindern hat, die geduldig stundenlang mit ihnen spielt, ihnen einfühlsam neue Situationen erklärt und ihnen die Angst nimmt…

Ein paar Beispiele:

1) Der Große wollte zum Trampolin gehen. Das stand in einer offenen Scheune einen Eingang weiter. Der Hof war sehr ruhig gelegen, aber dennoch nicht völlig umzäunt. Ich habe ihm das erlaubt. Er durfte also alleine hingehen. Natürlich habe ich nach ca 1/2 Stunde mal nach ihm geschaut und er war auch schon vorher ein paar mal auf diesem Trampolin und kannte den Weg, aber meine Schwägerin (die Mutter) meinte letztens, sie würde den Großen zuhause noch nicht mal alleine im Garten spielen lassen aus Angst, dass ihn jemand mitnimmt. –> Hätte ich besser aufpassen müssen? Habe ich fahrlässig gehandelt? Er war so ein paarmal alleine unterwegs (im Garten oder der Scheune) und er ist noch nichtmal irgendwie hingefallen.

2) Der Kleine wollte auch nach draußen. Er hat Schuhe mit Klettverschlüssen. Ich bin der Meinung, dass sich ein 3,5 jähriger alleine  diese Schuhe anziehen kann (was er in den vorigen Tagen auch öfter gemacht hat und im Kindergarten sowieso). Er wollte/konnte es nicht und hat rumgemeckert. Anstatt ihm zu helfen, habe ich ihn zappeln lassen. Nach einiger Zeit bin ich hingegangen und habe ihm erklärt wie es geht. Da hat er aber schon geheult. –> Hätte ich früher hingehen sollen oder ihm schnell helfen sollen?  

3) Am Tag vor der Abreise haben wir die meisten Schuhe und Sachen schon eingepackt und für die Kinder nur ein Paar Schuhe draußen gelassen. Der Kleine wollte jetzt aber unbedingt die Sandalen anziehen. Ich habe ihm erklärt, dass er jetzt entweder die Schuhe mit Klettverschluss anzieht oder eben drinbleiben muss. Da hat er einen Riesenaufstand gemacht, rumgeheult, sich auf den Boden geworfen und gebrüllt. Ich habe einen Moment gewartet, ihn dann nochmal auf die vorhandenen Schuhe hingewiesen und als er weitergebrüllt hat, habe ich ihn in Ruhe gelassen. Da hat er sich richtig in Rage gebrüllt. –> An dem Tag hatte er auch keinen Mittagsschlaf gemacht und war durch das Packen auch aufgeregt. Hätte ich ihm die Schuhe eben holen sollen? Hätte ich ihn trösten sollen, damit er sich garnicht so aufregt?

4) Ich mag kein Rumgenörgele… Ich habe für die Kinder jeden Abend einen Gemüseteller mit Tomaten, Gurken und/oder Paprika geschnippelt. Jeden Abend, wenn ich den Teller auf den Tisch gestellt habe, kam von dem Großen „Ich mag aber keine Tomaten“. Am vorletzten Tag habe ich ihn angepflaumt „Ich weiß dass du keine Tomaten magst, du musst ja auch keine essen.“ Dieses „Ich mag nicht“ kam oft von ihm „Ich mag keine Tortelinis“, „Ich mag keine Pferde“ und mein persönliches Highlight: auf jeder Toilette unterwegs „ich mag diese Papierhandtücher nicht“. Mein Kommentar irgendwann nur noch: „Du musst sie ja nicht benutzen!“ –> Bin ich zu ungeduldig? Will er nur überhaupt etwas sagen?

5) Spielen am Esstisch geht gar nicht. Kinder müssen keinesfalls ruhig am Tisch sitzen, still und leise essen und dann geduldig abwarten bis alle fertig sind. Nein, das meine ich nicht. Aber ich mag es nicht, wenn die Kinder mit dem Essen spielen oder nur so halb auf dem Stuhl sitzen oder Quatsch machen. Ein kleiner Witz, na klar, mache ich auch, aber dieses enorme Rumkaspern mag ich nicht. Die Starwars-Figur darf auch im Fisch-Imbiß auf dem Tisch sitzen, aber gespielt wird damit erst, wenn das Essen beendet ist. –> Erwarte ich zuviel? Es geht hier um jeweils höchstens 30 Minuten, kein 3-Gänge-Menü.

6) Wenn Oma unbedingt zum Leuchtturm laufen möchte, oder wir in der Innenstadt einen Vormittag bummeln gehen möchten, oder nicht zum dritten mal das eine Hörspiel sondern auch mal eine CD von uns hören wollen, oder wir mal in Ruhe einen Kaffee trinken wollen, dann müssen die Kinder dann eben da durch. Meiner Meinung nach müssen Kinder nicht immer 24h bespaßt werden, sondern auch mal warten, ruhig sein, nichts anfassen oder laufen –> Fiese Rabentante? Es war doch Kinder-Urlaub??

Bitte nicht falsch verstehen! Ich liebe diese beiden kleinen Monster. Ich habe mir den Urlaub selber gewünscht und habe ihn sehr genossen. Es war schön, morgens freudestrahlend von einem hellwachen 3,5jährigen mit einem Pixibuch in der Hand geweckt zu werden oder zusammen die Hühner zu füttern, die Häschen zu streicheln, im Schwimmbad zu rutschen, zu puzzeln und zu spielen. Ich fand es toll mit den beiden zu toben, Gokart zu fahren oder Seifenblasen zu machen.

Die Jungs waren die meiste Zeit über friedlich, fröhlich und haben durch den Garten dort getobt. Sie haben uns die meisten Nächte über durchschlafen lassen, sind ohne Probleme ins Bett gegangen. Da hätte ich mit viel mehr Streß gerechnet.

Nur zwischendurch war ich genervt. Weil ich vieles einfach nicht verstehe, weil ich nicht weiß, ob ich die Kinder überfordere, zu streng bin. Ich habe keinen jemals angebrüllt, festgehalten oder gar geschlagen, aber manchmal war der Ton etwas energischer. Wahrscheinlich geht das jedem so, aber ich fühlte mich jedesmal schlecht.

Geht es euch da draußen auch so? Meine Mutter meinte, ich gehe ganz toll mit den Kindern um, so geduldig und ruhig. So habe ich mich aber nicht immer gefühlt. Wie soll es denn dann erst mit eigenen Kindern sein, die man 24/7 um sich hat und für deren Erziehung man (zusammen mit dem Mann) alleine verantwortlich ist?

 

Ein bischen Gedankenchaos zum Wochenende…

 

 

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2 Antworten

  1. Liebe Kaya,

    diese Gedanken haben vielen von uns. Es gibt z.B. nur eine Handvoll Kinder, die ich mag (meine Nichten und die beiden Zwerge meiner Freundin), aber auch mit denen kann ich überhaupt nicht umgehen. Drück mir ein Baby in den Arm und ich bin dir dankbar, wenn ich es wieder abgeben darf. Lass mich mit kleinen Kindern spielen und ich komme mir vor wie der letzte Depp.

    Auch ich habe regelmäßig Zweifel, ob ich eine gute Mutter sein kann, aber das Gute ist, dass wir zum einen 9 Monate haben, uns an den Gedanken zu gewöhnen und dann zusammen mit unserem Kind in diese Rolle reinwachsen werden (zumindest bin ich davon überzeugt, dass es so sein wird). Wir müssen keine perfekten Mütter sein – schon gar nicht vom ersten Tag an.

    Ich hoffe, diese Zeilen zeigen dir, dass du mit solchen Gedanken nicht allein bist.

    Alles Liebe!

  2. Fremde Kinder sind denke ich viel schwieriger zu händeln, weil einem da das Gefühl fehlt „wann muss ich eingreifen/trotzt er jetzt nur und soll mal vor sich hin schimpfen“. Generell lese ich aber nichts Falsches aus deinem Ansatz, überbetütteln muss man Kinder in dem Alter denk ich keineswegs.
    Insgesamt wirken deine Ansichten sehr normal und gesund, aber ich wette, bei eigenen Kindern würde sich das ein oder andere aufweichen, und seis drum einfach mal nur Ruhe zu kriegen ;-D Aber grad da find ichs wichtig, dass man einen generellen Kurs hat und weiß, was man will und erwartet.

    Geduld.. das is glaub ich was, das man ein wenig lernen/trainieren muss. Manche sind halt geduldig, manche nicht. Aber ich glaub nicht, dass nur geduldige Frauen gute Mamas sind. Aber es schadet bestimmt nicht, sich nen langen Atem zuzulegen.. (ich ohhmmmmee täglich!! husthust).

    LG!

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