Wie kann ich mit PCO schwanger werden?

Ich wende mich hier an alle, die schon länger nicht verhüten, einen aktuellen bisher unerfüllten Kinderwunsch haben und bei denen PCO festgestellt wurde…

 

Erstmal allgemein: PCO ist nicht mit Medikamenten heilbar. PCO ist auch nicht EINE Krankheit, sondern wenn man PCO hat, dann treffen viele verschiedene Symptome aufeinander. Man kann also nur die Symptome bekämpfen, die einem das schwangerwerden erschweren. Es gibt auch Frauen, die trotz PCO ganz normal ohne Hilfe schwanger werden. Da es bei den meisten doch nicht von alleine klappt, habe ich hier mal die verschiedenen Methoden aufgeführt:

 

1)    PCO ist nicht der Weltuntergang. Wenn ich keine Tabletten (oder Spritzen) nehme, bekomme ich kaum meine Tage. Eher garnicht… Ohne einen Zyklus habe ich keine Eisprünge und kann damit auch nicht einfach so schwanger werden. Das heisst aber nicht, dass andere Frauen nicht schwanger werden können trotz der Diagnose PCO. Es ist nur etwas schwieriger. Der Weg in ein Kiwu-Zentrum oder zu einem Frauenarzt, der sich damit auskennt, ist ganz wichtig. Ich habe von einigen gehört, bei denen der Frauenarzt erst monatelang rumgedoktert hat, bevor sie eine Diagnose und damit die richtige Behandlung bekommen haben.

2) Generell sollte man bei PCO (und Kinderwunsch) versuchen, ein normales Gewicht zu erreichen. Im Fett stecken viele männliche Hormone und die verhindern, dass der Körper richtig “ normal weiblich“ funktioniert. (Also regelmäßige Zyklen und damit auch regelmäßige Eisprünge) Bei PCO kann es oft sein, dass du auch eine Insulinresistenz (IR) hast, die das Abnehmen noch mal erschwert. Das wird mit einem Zuckerbelastungstest festgestellt. Wenn du eine IR hast, kannst du Metformin-Tabletten dafür nehmen. Das ist kein Wundermittel, soll aber schon vielen PCOlern zur Abnahme oder zu regelmäßigeren Eisprüngen geholfen haben. Das Metformin muss man selber zahlen (da es kein offiziell zugelassenes Medikament bei PCO ist), das kostet aber nur so ca 5 – 10 € im Monat, je nach Dosierung. Wichtig bei der Einnahme von Metformin ist, dass es ganz langsam angefangen wird. Also erstmal nur eine halbe Tablette zu einer Mahlzeit und dann nach einer Woche oder so die zweite halbe Tablette zu einer anderen Mahlzeit usw. Sonst kann es leicht zu Bauchkrämpfen und Durchfall kommen.

3)Wenn es auf natürlichem Weg einfach nicht mit dem schwangerwerden klappen will, kann man ein bisschen nachhelfen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Wenn du „nur“ PCO hast und bei deinem Partner alles ok ist, ist Clomifen (Tablette) ein einfacher und günstiger Weg. Da kommen kaum Kosten auf dich zu (Vorraussetzung: gesetzlich krankenversichert, nicht zu alt oder zu jung). Zu Clomifen greifen viele Ärzte als erste Möglichkeit. Mit Hilfe des Clomifens werden die Eizellen zum Wachsen angeregt. Man nimmt die Tabletten ca. ab dem 3.-5. Zyklustag für einige Tage und dann wird an Zyklustag 10 – 14 mit einem Ultraschall überprüft ob und wieviele Eizellen herangewachsen sind. (Das Ziel sind dabei 1 – 3 Eizellen.) Dann bekommt man vom Arzt den optimalen Zeitpunkt fürs herzeln (oder unromantisch: Geschlechtsverkehr nach Plan (GVnP)). Sollte man unter Clomifen keinen Eisprung bekommen oder will auf Nummer Sicher gehen, dann kann man eine Spritze bekommen, die zu einer bestimmten Uhrzeit selbst in den Bauch gespritzt wird. Während der Behandlung werden die Blutwerte immer wieder überprüft und es kann auch mehrfach Ultraschall gemacht werden, um den richtigen Zeitpunkt (des Eisprungs) zu erwischen. Ich habe damals weder fürs Blutabnehmen, noch für den Ultraschall, oder die Spritze zum Auslösen des Eisprungs oder das Spermiogram etwas zahlen müssen. So eine einfache Stimulation macht man ca. 6 x, danach sollte man zu „härteren“ Maßnahmen greifen.
  2. Wenn Clomifen nicht bei dir wirkt oder es nach ein paar Versuchen trotzdem nicht geklappt hat, gibt es als nächste Stufe die Spritzen. Du spritzt dir selber eine bestimmte geringe Dosis von Puregon oder Gonal-F oder Menogon (oder eine Kombination davon) in den Bauch, es wird im Ultraschall überprüft, ob eine oder zwei Eizellen heranwachsen und im Blut, wie die Werte aussehen). Dann wird mit Spritze der Eisprung ausgelöst und ihr habt wieder GVnP. Das kostet euch auch soweit nichts. (Vorraussetzung: gesetzlich krankenversichert, nicht zu alt oder zu jung)
  3. Wenn das Sperma von deinem Mann nicht so gut ist oder/und die bisherigen Maßnahmen nicht gewirkt haben, gibt es Stufe 3 – Insemination. Hier wird es teurer. Wenn ihr nicht verheiratet seid oder die Frau ein bestimmtes Alter erreicht hat (40? 35?), zahlen die meisten Krankenkassen nichts dazu, sonst meistens 50 %. Insemination heisst: Du gibst dir Spritzen oder Tabletten, der Eisprung wird ausgelöst, der Mann gibt in der Klinik sein Sperma ab, das wird aufbereitet und dir dann mit einer Kanüle direkt in die Gebärmutter eingespritzt. Zu den Kosten kann ich dir nicht so genau etwas sagen, es kommt immer auch auf die Menge an, die du spritzen müsstest, da wird alles ganz genau und einzeln abgerechnet, also der Ultraschall, das Blutabnehmen, der Behandlungsplan, die Narkose usw. Ich hätte eine ziemlich hohe Dosis spritzen müssen, da die günstigeren Clomifentabletten bei mir garnicht richtig angeschlagen haben. Daher wären es bei uns ca 1000 € gewesen (unverheiratet/ pro Zyklus!). Hätte sich nicht gelohnt – zu teuer und zu geringe Chance. Wenn aber schon Clomifen bei dir gut wirkt und du nur die Tabletten (und die ganzen Untersuchungen) brauchst, habe ich auch schon Zahlen um die 200 € gesehen (unverheiratet).
  4. Die nächste Stufe heisst IVF. Du spritzt dir hohe Dosen Puregon oder Gonal-F oder Menogon (oder eine Kombination davon), um möglichst viele Eizellen heranwachsen zu lassen. Dazu sind mehrere Blutuntersuchungen und Ultraschalle fällig. Irgendwann sind die Eibläschen dann groß genug und der Eisprung wird durch eine Spritze ausgelöst. Du fährst mit deinem Partner in die Klinik, er gibt Sperma ab und es wird aufbereitet. In der Zeit werden dir alle Eizellen in einer Punktion unter Vollnarkose entnommen. Die Eizellen werden mit den Spermien in eine Petrischale gegeben und in Ruhe gelassen. Ca. 3 Tage später werden dir 1-3 befruchtete Eizellen (nach Wunsch) wieder eingesetzt. Das geschieht ohne Narkose und ist auch nicht schmerzhaft und geht sehr schnell. Eventuell überzählige befruchtete Eizellen können eingefroren werden – nennt sich Kryo. (Siehe 8.)  Bei der IVF wird es richtig teuer, wenn unverheiratet. Da kommen Summen von ca. 2000 – 4000 € zusammen. Seid ihr verheiratet, wird bei den ersten 3 Versuchen von den Krankenkassen immerhin 50 % übernommen. Einzelne Krankenkassen zahlen noch einen Bonus pro Versuch dazu, unsere hat damals sogar 100 % bezahlt (das macht sie leider inzwischen nicht mehr…).
  5. Noch eine Stufe höher gibt es die ICSI. Im Prinzip das gleiche wie IVF, nur das dort die Eizellen und die Spermien nicht in der Petrischale in Ruhe gelassen werden, sondern ein Spermium wird direkt in eine Eizelle eingesetzt (und so weiter in alle Eizellen die da sind). Das kostet noch mal ca 500 € extra (unverheiratet). Die überzähligen befruchteten Eizellen können wieder eingefroren werden.
  6. Das was ich bei 4 und 5 beschrieben habe, ist jeweils das „Kurze Protokoll“. Dort beginnt die Behandlung mit dem ersten Tag der Regel. Wenn du deine Regel nicht bekommst, wirst du Tabletten zum Auslösen bekommen. Bei einigen Frauen wird auch das „Lange Protokoll“ angewendet. Hier beginnt man ca. ab dem 20. Zyklustag mit einem langwirkendem Nasenspray oder einem Depotmittel, welches erstmal vieles lahmlegt (Downregulation). Wenn du dann deine Tage bekommst, fängt es mit der Stimulation durch Tabletten (wie Clomifen) oder Spritzen (wie Puregon oder Gonal-F) wie bei 4. oder 5. an.  Ob du das „Kurze“ oder „Lange“ Protokoll machst, entscheidet der Arzt. Bei PCO wird meiner Erfahrung nach eher das kurze Protokoll gemacht.
  7. Es gibt auch noch andere Varianten zu 4. und 5., wie z.B. das Ultrashort-Protokoll oder das Antagonisten-Protokoll.
  8. Eine sogenannte Kryokonservierung ist eine Möglichkeit, die befruchteten Eizellen einzufrieren und sie für spätere Versuche aufzuheben. Dazu muss die Frau auch Spritzen oder Tabletten nehmen, um den Körper gut darauf vorzubereiten, aber die ganze Stimulation der Eizellen mit den hohen Dosen fällt weg. Das Einfrieren kostet ca 600 € für einen bestimmten Zeitraum und wird nicht von der Krankenkasse übernommen, ein Zyklus mit aufgetauten Eizellen kostet dann noch ungefähr 600 €. Wir hatten bei den zwei ICSIs leider nie Eizellen übrig, so dass ich hier nichts mehr zu der Behandlung sagen kann.

 

Ich habe erst Clomifen, dann Puregon genommen, beides mit GvnP. Ich war insgesamt 2 x schwanger, habe die Kinder aber immer in den sehr frühen Wochen verloren.

Clomifen ist ein generell ein guter Anfang, ärztlich überwacht kann da kaum was schiefgehen. Versuch das ruhig ein paar Monate. Die „Gefahr“ von Mehrlingen ist eigentlich sehr gering. Sollten doch zuviele Eibläschen heranwachsen, wird ein guter Arzt immer dazu raten, den Zyklus nicht zu nutzen, also sollte dann verhütet werden bis der Eisprung vorbei ist.

 

Nach einigen Versuchen mit Clomifen sollten bei dir die Blutwerte untersucht, sowie auf eine IR getestet werden. Der Freund sollte ein Spermiogramm machen lassen und ebenfalls die Blutwerte untersuchen lassen. Die meisten Ärzte machen solche Untersuchungen (oder die schwierigeren Behandlungen) erst nach einem Jahr (also ein Jahr die Pille abgesetzt und noch nicht schwanger) oder wenn von vornerein etwas nicht stimmt (wie verklebte Eileiter).

Es gibt noch viele Spezialuntersuchungen und Behandlungen, die du machen kannst. Der Nutzen ist nicht immer belegt, daher zahlen die meisten Krankenkasse da auch nichts zu. (Ein paar Begriffe gefällig? Klar: Assisted Hatching, Gebärmutter Scratching, Blastos…)

Für die Richtigkeit der oben genannten Behandlungen kann ich natürlich keine Garantie geben. Ich habe alles nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben und nicht jeden kleinen Schritt vermerkt. Gerade zu den Behandlungen 3-6 kommen noch viele Untersuchungen, Ultraschalls, Blutabnehmen, Fahrtzeiten usw. dazu und es kann sich immer noch etwas ändern. Nicht jeder durchläuft alle Stufen nacheinander, der Arzt entscheidet das individuell für euch!

 

Auch nach dem Einsetzen der befruchteten Eizellen kommen noch mehrere Arztbesuche mit Blutuntersuchungen auf dich zu. Es kommen eventuell weitere Tabletten und/oder Spritzen dazu, um die Hormonwerte im Körper so optimal wie möglich zu halten.

Bei den ganzen Behandlungen sollte man auf jeden Fall die psychische Belastung nicht unterschätzen! Wenn du merkst, dass dir alles zu viel wird – mach eine Pause mit den Behandlungen oder such dir sogar psychologische Unterstützung. Einige Kliniken bieten dazu spezielle Sprechstunden an.

 

Lasst euch generell von dem ganzen Text nicht abschrecken, denn „Es ist immer zu früh, um aufzugeben“ oder „Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“

Ich drücke euch allen die Daumen, dass ihr alle recht schnell euer Wunschkind in den Armen halten könnt!

Bei Fragen könnt ihr mich gerne anschreiben. (suesssauer (ät) web.de)

Liebe Grüße

Kaya

 

PS: Bei mir hat am Ende eine ICSI zur Schwangerschaft geführt. Ich habe mit Puregon und Menogon Spritzen die Eizellen stimuliert. Dann wurde der Eisprung mit einer Spritze ausgelöst, am Ende habe ich zwei befruchtete Eizellen zurückbekommen, von denen eine sich eingenistet hat.

Das Metformin habe ich noch bis zur ca. 20. Woche weitergenommen.

Am 13.03.2015 habe ich dann (nach einer völlig normalen Schwangerschaft) in einer normalen schnellen Geburt (ca. 6 h ab der ersten Wehe) eine gesunde Tochter zur Welt gebracht!!

Eine Antwort

  1. Hallo Kaya, bin gerade über deinen Blog gestolpert. Eine schöne Zusamenfassung zum Thema PCO und künstliche Befruchtung hast Du geschrieben. Die angesetzten Kosten sind nach wie vor aktuell, vielleicht etwas nach oben zu korrigieren. Leider hängt ja ein großer Teil an den eingesetzten Medikamenten und der Länge des Protokolls.
    Klasse übrigens, dass es bei dir geklappt hat!

    Herzliche Grüße

    Silke

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